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Ratgeber für Eltern

Mein Kind meldet sich im Unterricht nicht, obwohl es alles verstanden hat.

Kurz gesagt: Ein Kind, das sich nicht meldet, ist selten faul oder unaufmerksam. Meistens fehlt ihm die Sicherheit, im entscheidenden Moment vor dreißig Zuhörern zu sprechen. Es kommt dabei nicht darauf an, wie oft Ihr Kind sich meldet, sondern wann und wie sicher. Kleine, gut vorbereitete Beiträge früh in der Stunde wirken mehr als der Vorsatz, ab morgen alles anders zu machen. Und ein ruhiges Wesen darf ruhig bleiben, es soll nur nicht unter seinen Möglichkeiten benotet werden.

Das neue Schuljahr ist wenige Tage alt, und viele Berliner Eltern kennen den Satz schon aus dem letzten Jahr. Die Arbeiten sind ordentlich, manchmal richtig gut, aber unter dem Zeugnis steht sinngemäß, die mündliche Beteiligung sei ausbaufähig. Zu Hause erzählt Ihr Kind stundenlang von Minecraft, von der Pause, von einem Streit im Bus. In der Schule sagt es nichts. Das ist verwirrend und für viele Eltern auch ärgerlich, weil das Kind sich damit selbst im Weg steht. Bevor Sie darauf reagieren, lohnt sich ein Blick darauf, was in dieser Situation eigentlich passiert.

Warum die mündliche Note so schwer wiegt

Viele Eltern unterschätzen, wie viel im Unterricht selbst entschieden wird. In Fächern, in denen Klassenarbeiten geschrieben werden, machen diese Arbeiten grob die Hälfte der Zeugnisnote aus. Die andere Hälfte entsteht aus der mündlichen Beteiligung und den sonstigen Leistungen, also aus Heftführung, Hausaufgaben, Referaten und Gruppenarbeit. In Fächern ohne Klassenarbeiten, etwa in Geschichte, Biologie oder Musik, hängt fast die gesamte Note daran, was Ihr Kind im Unterricht zeigt. Wie genau gewichtet wird, legt die Fachkonferenz jeder Schule selbst fest. Sie dürfen danach fragen und sich die mündliche Note auch erklären lassen. Die Konsequenz ist in jedem Fall dieselbe. Ein Kind, das schweigt, verschenkt einen großen Teil seiner Note, selbst wenn es den Stoff sicher beherrscht.

Mündliche Mitarbeit verbessern: erst den Stoff verstehen, früh in der Stunde melden, Absprache mit der Lehrkraft
Drei Hebel für stille Kinder: Sicherheit im Fach, früh melden, Absprache mit der Lehrkraft.

Warum Ihr Kind sich nicht meldet

Hinter dem Schweigen stecken meist drei Gründe, und keiner davon heißt Faulheit. Der häufigste ist die Angst, etwas Falsches zu sagen. Eine falsche Antwort in einer Klassenarbeit sieht nur die Lehrkraft, eine falsche Antwort im Unterricht hören alle. Wer einmal ausgelacht wurde, meldet sich lange nicht wieder. Der zweite Grund ist Tempo. Manche Kinder denken gründlich, und bis die Antwort fertig formuliert ist, sind schon drei andere Finger oben. Diese Kinder wissen die Lösung, sie sind nur nicht die Schnellsten. Der dritte Grund ist schlicht das Wesen Ihres Kindes. Ruhige Kinder brauchen mehr Anlauf, um in einer großen Gruppe zu sprechen, und das bleibt oft ein Leben lang so. Und dann gibt es natürlich den Fall, dass Ihr Kind sich nicht meldet, weil es tatsächlich nichts versteht. Das erkennen Sie meist daran, dass auch die schriftlichen Leistungen nachgeben. Dann geht es nicht um Mut, sondern um Lücken.

Es kommt nicht auf die Menge an

Der Rat, sich einfach öfter zu melden, hilft selten. Er erzeugt vor allem Druck, und Druck macht stumm. Lehrkräfte bewerten ohnehin nicht die Zahl der Wortmeldungen, sondern ob ein Beitrag zum Thema passt, ob er etwas weiterbringt und ob Ihr Kind erkennbar bei der Sache ist. Deshalb wirkt eine andere Strategie viel besser. Ihr Kind meldet sich früh in der Stunde, am besten in den ersten Minuten, wenn die Hausaufgaben besprochen oder die letzte Stunde wiederholt wird. Dort ist die Antwort schon vorbereitet, das Risiko ist klein, und danach ist der schwerste Teil des Tages erledigt. Wer erst in der vierzigsten Minute den Mut zusammennimmt, hat vierzig Minuten lang Angst gehabt. Unterschätzt wird außerdem die Frage. Auch wer nachfragt, beteiligt sich, und vielen Kindern fällt eine Frage leichter als eine Antwort, weil man dabei nichts falsch machen kann.

Was zu Hause wirklich hilft

Sicherheit im Fach ist der stärkste Hebel, den Sie haben. Ein Kind, das den Stoff wirklich verstanden hat, meldet sich fast von allein, weil das Risiko dann gefühlt viel kleiner ist. Lassen Sie sich deshalb ab und zu erklären, worum es gerade geht, in eigenen Worten und ohne Abfragen. Dabei zeigt sich schnell, wo es hakt, und Ihr Kind übt nebenbei genau das, was im Unterricht verlangt wird, nämlich laut über ein Thema zu sprechen. Setzen Sie dann ein winziges Ziel, gemeinsam mit Ihrem Kind und nicht für Ihr Kind. Einmal am Tag melden reicht für den Anfang völlig, in einem selbst gewählten Fach, bei dem es sich am sichersten fühlt. Fragen Sie abends nicht nach, ob es geklappt hat, denn daraus wird schnell eine tägliche Prüfung. Freuen Sie sich, wenn Ihr Kind von sich aus erzählt. Und vermeiden Sie den Satz, dass Sie in dem Alter auch schüchtern waren und es sich einfach gegeben hat. Gut gemeint, aber er nimmt dem Kind die Aussicht, selbst etwas tun zu können.

Das Gespräch mit der Lehrkraft

Der Elternsprechtag ist die beste Gelegenheit, und Sie kommen weiter, wenn Sie nicht über die Note sprechen, sondern über die Situation. Hilfreiche Fragen sind, ob Ihr Kind in Gruppenarbeit anders auftritt als im Plenum, in welchem Fach es am ehesten etwas sagt, und ob es aufmerksam wirkt oder abwesend. Oft ergeben sich daraus kleine Absprachen, die erstaunlich viel bewegen. Manche Lehrkräfte kündigen einem stillen Kind an, dass sie es in der nächsten Stunde zu einem bestimmten Thema aufrufen werden, sodass es sich zu Hause vorbereiten kann. Andere lassen Ergebnisse aus der Partnerarbeit vortragen, was leichter fällt, weil man dann für zwei spricht. Sagen Sie ruhig offen, dass Ihr Kind nicht bockig ist, sondern sich nicht traut. Dieser Unterschied ist von außen nicht immer zu erkennen und für Lehrkräfte sehr wichtig.

Wann Unterstützung von außen guttut

Hellhörig werden dürfen Sie, wenn Ihr Kind über Monate hinweg in allen Fächern schweigt, wenn es morgens ungern zur Schule geht oder wenn zur Zurückhaltung schwächere Arbeiten dazukommen. Dann lohnt es sich, in Ruhe gegenzusteuern, statt bis zum Halbjahreszeugnis zu warten. Oft übersehen wird dabei der Zusammenhang zwischen Verstehen und Sprechen. Wer in Mathematik oder in einer Fremdsprache den Anschluss verloren hat, schweigt nicht aus Schüchternheit, sondern aus gutem Grund. Bei Nachhilfe Berlin von AHA! kommt eine Lehrkraft einzeln zu Ihnen nach Hause, in allen Berliner Bezirken. Für stille Kinder ist das oft genau das Richtige, weil sie hier reden müssen und es keine Zuschauer gibt. Genau das ist die Übung, die im Klassenraum fehlt. Wie Sie Ihr Kind darüber hinaus stärken, wenn es innerlich abgeschaltet hat, lesen Sie in unserem Ratgeber Wenn Lernen blockiert.

Häufige Fragen von Eltern

Mein Kind ist einfach introvertiert. Muss es sich überhaupt ändern?

Nein, und das ist ein wichtiger Punkt. Ein ruhiges Kind soll kein lautes werden, es geht nicht um die Persönlichkeit. Es geht darum, dass Ihr Kind die Möglichkeit bekommt, sein Wissen zu zeigen, damit die Note zu dem passt, was es wirklich kann. Zwei sichere Beiträge pro Stunde reichen dafür meistens völlig aus.

Darf eine Lehrkraft mein Kind aufrufen, obwohl es sich nicht gemeldet hat?

Ja, das ist zulässig und im Unterricht auch üblich. Sie können aber ansprechen, dass ein unangekündigtes Aufrufen bei Ihrem Kind eher blockiert als hilft, und um eine Vorankündigung bitten. Viele Lehrkräfte gehen darauf ein, weil sie ebenfalls möchten, dass ein stilles Kind zu einer fairen Note kommt.

Mein Kind redet zu Hause ohne Ende und sagt in der Schule kein einziges Wort. Ist das noch normal?

Wenn Ihr Kind in der Schule wirklich gar nicht spricht, also auch nicht mit einzelnen Kindern in der Pause, und das über Monate so bleibt, dann ist das etwas anderes als Schüchternheit und Sie sollten es nicht einfach aussitzen. Sprechen Sie zuerst mit der Klassenleitung, um ein genaues Bild vom Schulalltag zu bekommen. Eine fachliche Abklärung ist einer der möglichen Wege, und ob Sie diesen gehen möchten, entscheiden Sie mit den Menschen Ihres Vertrauens. Bei einzelnen Situationen, in denen Ihr Kind schweigt, im Sportunterricht etwa oder bei einer bestimmten Lehrkraft, ist dagegen meist nichts Besorgniserregendes im Spiel.

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